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Stellungnahme der DVRW zur Einrichtung und Umsetzung konsekutiver Studiengänge (BA / MA) in der Religionswissenschaft

Im Juli 1999 unterzeichneten die Bildungsminister von 30 europäischen Staaten in Bologna eine Erklärung zur “Gestaltung eines europäischen Hochschulrahmens”. Damit verbunden war die Zielsetzung, bis zum Jahr 2010 eine Angleichung der Studiengänge und -abschlüsse vorzunehmen, so dass es künftig nur noch Bachelor und Master als akademische Abschlüsse geben wird.
Rechtsgrundlage für die Einführung dieser Studienabschlüsse in Deutschland ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10. November 2000. Inzwischen sind an fast allen Hochschulen mehr oder weniger weitreichende Schritte in Gang gesetzt, bestehende Magister- und Lehramts-Studiengänge in BA und MA Studiengänge umzuwandeln.

Folgende Elemente bilden dabei den organisatorischen Rahmen:

  • Ein in der Regel sechs Semester dauerndes Bachelor-Studium soll den schnellen Einstieg in den Beruf ermöglichen und zugleich die Voraussetzung für die Aufnahme eines weiterführenden Master-Studiums bieten.
  • Das in der Regel vier Semester umfassende Master-Studium stellt wiederum die Voraussetzung für die Aufnahme eines Promotionsstudiums dar.
  • Die Studiengänge gestalten sich durch eine Kombination von fachwissenschaftlichen und allgemeinen, berufsqualifizierenden Anteilen.
  • Einzelne Fächer, wie z.B. die Religionswissenschaft, müssen dabei sowohl als “Exportfach” (das fachwissenschaftliche Anteile auch in andere Studienschwerpunkte einbringt) als auch als “Importfach” (das Leistungen und Kapazitäten anderer Fächer in ein BA Studium mit Schwerpunkt Religionswissenschaft integriert) angesehen werden.
  • Gegliedert werden die Studiengänge durch inhaltlich und zeitlich abgeschlossene Lernbereiche, die sog. Module, die auch über mehrere Semester reichen können und mehrere Lehrveranstaltungen umfassen. In der Regel wird jedes Modul mit einer Prüfung abgeschlossen.
  • Die im Hochschulstudium erbrachten Leistungen werden mit sog. “Credit Points” oder Leistungspunkten bewertet und sollten damit vergleichbar und konvertierbar werden.


Die konkrete Umsetzung dieser neuen Studiengänge gestaltet sich an den verschiedenen Standorten unterschiedlich. Für alle gilt jedoch, dass sie mit einem beträchtlich erhöhten Bedarf an Lehrkapazität verbunden ist und dass auf eine klare Positionierung der Religionswissenschaft an den Universitäten zu achten ist.

Teil A / Unerlässliche Bestandteile:

1. Das BA/MA Modell in 3+2 Jahren (und nicht wie theoretisch möglich 4 +1) wird für das Fach Religionswissenschaft bundesweit nachdrücklich empfohlen.

2. Wesentliche Bestandteile eines BA mit Schwerpunkt Religionswissenschaft sollten sein:

  • Theoretische, systematische und methodologische Fragestellungen, einschließlich der Fachgeschichte,
  • europäische Religionsgeschichte,
  • Religionen außerhalb Europas.

Die Gewichtung und der Umfang dieser Elemente können variieren.

3. Ziel dabei ist die wechselseitige Anerkennung des religionswissenschaftlichen BA- Abschlusses, dem die Aufnahme eines MA Studiums an den verschiedenen religionswissenschaftlichen Standorten folgen kann.

4. Je nach Orientierung und Ausstattung der Standorte wird es sehr unterschiedliche Ausrichtungen der BA Studiengänge geben. Vorausgesetzt wird, dass bei einem BA Studium mit dem Schwerpunkt Religionswissenschaft/Religionen mindestens 50% der Credit Points / Leistungspunkte religionswissenschaftlich sein sollten oder deutliche religionswissenschaftliche Belange enthalten sollen. In Ausnahmefällen sollte die Möglichkeit zur Aufnahme in MA-Programme auch bei einem geringeren Anteil bestehen, wobei dann im MA-Studium eine Intensivierung der religionswissenschaftlichen Anteile vorgenommen werden sollte.

5. Die empirische Erforschung von Religionen sowie die Erschließung der Daten setzt Sprachkenntnisse voraus, die außerdem im Sinne der berufsqualifizierenden Aspekte des BAs von Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang können je nach Schwerpunkt sowohl alte als auch moderne Sprachen eine Rolle spielen. Das Erlernen von Sprachen sollte den Studierenden daher schon während des BA empfohlen werden und im Rahmen des Gesamtstudienganges auch durchführbar sein.

6. Die Struktur der BA-Studiengänge erfordert eine höhere Lehrkapazität und eine veränderte Organisation des Studienablaufs, einschließlich der Prüfungen. Vor allem zu Beginn des Studiums entsteht eine hohe Betreuungs- und Beratungsintensität. Darüber hinaus ist eine individuelle Studienberatung am Ende des ersten Jahres besonders wichtig. Daher sollte ein strukturiertes Beratungs- bzw. Mentorenkonzept im Kontext des jeweiligen Standorts erarbeitet werden.


Teil B / Empfehlungen:

7. Bei der Formulierung der neuen Studienabschlüsse ist auf die Benennung des Schwerpunktes Religionswissenschaft zu achten.

8. Die weitergehende Profilbildung im Fach Religionswissenschaft erfolgt im Rahmen des MA. Der "Master" sollte dann "Religionswissenschaft" heißen.

9. Um die Bedeutung der BA-Thesis gerade in einem anspruchsvollen Fach wie Religionswissenschaft nicht zu niedrig anzusetzen, sollte die höchstmögliche Punktzahl ausgeschöpft und durch zusätzliche Elemente (z.B. Literatur-Recherche) ergänzt werden.

10. Die starke Strukturierung des Studienablaufes beim BA sollte die Möglichkeit von Auslandssemestern und deren Anerkennung für das Studium in Deutschland nicht behindern. Eine Lösung hierfür könnte die Einrichtung eines "Korridors" sein, z.B. im vierten Semester, der ein Auslandssemester ermöglicht. Dies geht allerdings nur, wenn keine jahresübergreifenden Module im zweiten Studienjahr obligatorisch sind.

11. Es sollte möglich sein, insbesondere für Späteinsteiger und Berufstätige, ein BA-Studium im Fach Religionswissenschaft auch in Form eines Teilzeitstudiums zu ermöglichen.

12. Deutschlandweit angebotene Internet-Lerneinheiten, zu denen alle Zugang haben, könnten eventuell einen allgemeinen Bestandteil des religionswissenschaftlichen Lehrangebots bilden.